31 Oktober 2005

Saisonale Verstimmung ist keine Depression

http://de.news.yahoo.com/051031/336/4qttv.html

Zitat:

Köln (ddp-nrw). Die dunklen Jahreszeiten Herbst und Winter schlagen vielen Menschen aufs Gemüt. Psychologen warnen aber davor, die Stimmungseintrübung pauschal als Depression zu bewerten. «Dass man sich im Herbst und Winter niedergedrückter fühlt, ist nicht unbedingt eine Krankheit, sondern natürlicher Teil des Jahresverlaufs», sagte die Kölner Psychologin Annelie Dott im Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp.

Die Lebensweise des Menschen habe sich heutzutage jedoch völlig von der Natur entkoppelt und lasse kaum noch Ruhephasen zu. Gerade im Herbst und Winter sei es aber völlig normal, einen Gang zurückzuschalten. «Der moderne Mensch übergeht das Phänomen der winterlichen Ruhephase völlig», kritisierte die Psychologin. Als Folge würden der Bedarf nach Ruhe und eine gewisse Antriebsarmut fälschlicherweise als Depression bezeichnet.

Die Grenze zu einer tatsächlichen Depression ist Dott zufolge überschritten, wenn die Stimmungseintrübung auch in andere Jahreszeiten hineingeht oder es einen bewussten anderen konkreten Anlass für die Verstimmung gibt. Jahreszeitliche Veränderungen indessen dürften bei gesunden Menschen keine Depression auslösen.

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht gebe es statistisch die meisten Depressionen ohnehin nicht im Herbst und Winter, sondern im Frühjahr, erläuterte Dott. Wenn die Natur nach der Winterpause wieder in Schwung komme und die persönliche Stimmung dem genau zuwiderlaufe, könne dies Zeichen einer Depression sein. Da es für den Laien aber schwer zu erkennen sei, ob er an einer saisonalen Verstimmung oder einer Depression leide, sollte er zur Abklärung einen Arzt aufsuchen.

Web-Tipp: Burn-Out-Blog

News und Interessantes rund um das Thema Burn-Out findet sich im Burn-Out-Blog.
http://www.ichkannsonichtarbeiten.net/blog/index.php

30 Oktober 2005

Selbstmordrate im Herbst und Frühjahr höher

Selbstmordrate im Herbst und Frühjahr höher
http://portal.tirol.com/chronik/innsbru ... 1/index.do


Zitat:
Das Bild vom depressiven Herbst ist kein Klischee: In dieser Jahreszeit steigt die Selbstmordrate an. Vielfach spielt eine psychische Erkrankung mit.
Depressionen und Suizide sind im Herbst häufiger.

Erst jüngst erschütterten Berichte über mehrere spektakuläre Todessprünge Tirol. Die zeitliche Nähe war wohl kein Zufall: "Es gibt einen Herbst- und Früh­jahrsgipfel, das sind Um­stellungs­zeiten", erklärt Prof. Ullrich Meise vom Tiroler Bündnis gegen Depression.

Auch de­pressive Erkran­kungen seien im Herbst häufiger. Und sie spielen bei Sui­zi­den massiv mit: "In 95 Prozent der Fälle liegt eine psy­chische Erkrankung zugrunde, die häufig mit einer depressiven Verstimmung vergesellschaftet ist." Meise ist überzeugt, dass viele Selbstmorde durch eine entsprechende Behandlung der Tabu-Krankheit Depression verhinderbar wären: "Ich habe schon viele Menschen mit hoher Selbsttötungsabsicht erlebt, die gerettet wurden. Als sie wieder gesund waren, haben sie das gar nicht mehr verstanden."

Als akute Warnsignale nennt er wiederholt auftretende Selbst­mord­ge­danken - etwa, wenn beim Gang über eine Brücke immer der Drang zu springen auftrete "oder wenn jemand gedanklich Vorbereitungen trifft, wie er es tut".

Meise räumt in dem Zusammenhang mit der Fehlmeinung auf, man dürfe jeman­den im Verdachtsfall "nicht darauf ansprechen, weil man ihn erst recht auf den Gedanken bringt", sei eine Fehlmeinung. Wie wichtig eine hellhörige Umgebung ist, schildert der Psychiater am Beispiel eines Tiroler Bürgermeisters in einer Gemeinde mit mehreren Sui­zid­fäl­len. "Zu ihm kam ein Mann, der aufgrund eines Unfalles nicht mehr ar­beits­fähig war. Er hat sich erkundigt, wie das mit der Erbteilung seines kleinen Hofes sei." Der Ortschef habe ganz direkt gefragt: "Willst du dir etwas antun?" Darauf habe der Mann zu weinen begonnen und erklärt, er hätte es nicht mehr lange ausgehalten. "Damit ist eine Behandlung möglich geworden."

"Wer ankündigt, tut es nicht", sei eine weitere Fehlmeinung: "Zum Symptom der Depression gehört das Nicht-mehr-leben-Wollen oder -Können."

Vitamin B9 (Folsäure) wichtig bei Depressionen

Patienten mit B9-Mangel sprechen schlechter auf Antidepressiva an.
http://www.denkepositiv.com/news_anzeig ... wsnr=59627

idw/Berliner Bündins gegen Depression: Allgemeine Informationen

idw/Berliner Bündins gegen Depression: AllgemeineInformationen
http://www.idw-online.de/pages/de/news134142

Zitat:
Mediendienst des Berlier Bündnisses gegten Depression
(2/05)
Die Depression ist eine weit verbreitete Krankheit wie viele andere auch, aber mit einigen Besonderheiten:
° Ihre Bedeutung vor allem für Betroffene und Angehörige, aber auch im Hinblick auf die gesellschaftlichen Kosten,wird erheblich unterschätzt. Depressionen sind mittlerweile Volkskrankheit Nummer eins, noch vor Herzinfarkt und Diabetes zum Beispiel. Jeder fünfte Bundesbürger bekommt mindestens einmal in seinem Leben eine Depression.
° Über die Ursachen gibt es zahlreiche Missverständnisse, die sich zum Beispiel in dem Rat ausdrücken, man müsse sich "nur zusammen reißen". Und: Menschen mit Depressionen werden weiter stigmatisiert, ausgegrenzt.
° Zu den fatalsten Vorurteilen gehört, dass gegen Depressionen "kein Kraut gewachsen" sei. Dabei können über 80 Prozent der Depressionen erfolgreich behandelt werden.
Bei einer Krankheit mit derart schweren Folgen für die Lebensqualität, die sozialen Kontakte und die Arbeitsfähigkeit bis hin zu zahlreichen vermeidbaren Selbsttötungen stellt sich die Frage:

KÖNNEN WIR ETWAS TUN, BEVOR EINE DEPRESSION ÜBERHAUPT "AUSBRICHT"?

Die erste Maßnahme ist: WISSEN!
Das Berliner Bündnis gegen Depression hat es sich zur Aufgabe gemacht, wie auch die anderen regionalen Einrichtungen dieser Art, über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Es gibt zahlreiche seelisch-soziale, aber auch biologische Faktoren, die eine Depression verursachen oder auslösen können. Allerdings ist es nicht immer einfach, eine momentane Verstimmung von einer leichteren Depression - die sich verschlimmern kann - zu unterscheiden. Denn eine Depression kann sich zum Beispiel auch hinter körperlichen Beschwerde verstecken.

Das Ausschalten depressionsfördernder Faktoren ("primäre Prävention") ist zugegebenermaßen der schwierigste Teil der Vorbeugung. Denn der Verlust eines nahen Angehörigen zum Beispiel lässt sich ja nicht einfach "weg reden". Aber immerhin gibt es Einiges, das helfen kann. Dazu gehören Aktivitäten (etwa: Hobbys) und die Pflege sozialer Kontakte sowie besonders auch Sport. Und das Wichtigste: Rechtzeitig Scham überwinden und professionelle Hilfe suchen!
Denn eine möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie ("sekundäre Prävention") ist entscheidend, um die Krankheit bestmöglich "in den Griff zu kriegen". Und eine genaue Beobachtung und Wahrnehmung früher Krankheitsanzeichen hilft auch zur "tertiären Prävention", der Vermeidung von Rückfällen.

WAS KÖNNEN FREUNDE UND ANGEHÖRIGE TUN, wenn Sie Anzeichen einer Depression wahrnehmen?

° Zuhören, sich Zeit nehmen, vor allem dem Freund/Angehörigen Zeit lassen - aber nicht zuviel Zeit, bis der/die Betroffene eine(n) Therapeuten/in aufsucht.
° Bedingungsfrei akzeptieren, was und wie es von Depressiven dargestellt wird, auch wenn es dem eigenen Verständnis mitunter zuwider läuft; dem Betroffenen eine feste Bezugsperson sein. Die emotionale Zuwendung sollte an keinerlei Bedingungen oder Leistungen gebunden sein.
° Nicht nur das depressive Verhalten wahrnehmen, sondern auch positive Verhaltensweisen und Äußerungen gezielt aufgreifen und verstärken und damit ihr/sein Vertrauen in eigene Fähigkeiten stärken.
° Gut gemeinte, aber dann doch oberflächliche "Versprechungen" vermeiden, die den ratlosen Kranken eher verunsichern wie: "Das vergeht schon wieder" oder "Du musst Dich nur zusammenreißen".
° Ein ausreichendes Maß an Aufgaben mit dem Betreffenden festlegen, das nicht in Überforderung, vor allem aber nicht in Unterforderung münden darf. Auch kleine Erfolge positiv bewerten und diese verstärken. Wichtig sind überschaubare und erreichbare Zwischenziele.
° Trotz allem können typische Ermüdungserscheinungen oder Einwände auftreten, die Angehörige und Freunde in ihrer Beharrlichkeit entmutigen. Aussagen wie etwa "Ich kann/will nicht mehr" dürfen nicht als Widerstand oder Faulheit abgetan werden, denn Erschöpfung, Kraft- und Mutlosigkeit sind typische Anzeichen der Krankheit selbst.
° Geduld aufbringen, wenn man den Betroffenen aufheitern oder ablenken möchte, zum Beispiel durch gemeinsame Aktivitäten. Aber auch Reizüberflutung vermeiden und daran denken, dass der Heilungsprozess langwierig ist.

WAS KANN MAN SELBST TUN?

* Geduld und positives Denken! Depressionen sind immer auch mit mit Ängsten verbunden, egal, ob man selbst dies merkt oder nicht. Und Menschen mit Ängsten denken verständlicherweise negativ.
* Bewegung und Aktivität: Diese Regel erscheint "banal", wenn man depressiv ist ("Ich schaffe das sowieso nicht" / Das hilft mir auch nicht"), ist aber oft erstaunlich wirksam. Denn körperliche Aktivität stärkt immer das Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, sich seiner Angst und Depression zu stellen.
* Eine(n) Arzt/Ärztin aufsuchen, und zwar wirklich so rasch wie möglich!
Dabei ist die Suche nach einem fachkundigen Arzt/Therapeuten von entscheidender Bedeutung. Hilfe bei dieser Suche bieten das Berliner Bündnis gegen Depression" (ebenso wie die Bündnisse gegen depression in andere Städten) und zum Beispiel auch der Lotsendienst der Kassenärztlichen Vereinigung, der Krisendienst oder die Telefonseelsorge.
* Zu den wichtigsten Behandlungsmaßnahmen gehören verschiedene Formen der Psychotherapie sowie Medikamente.
Lassen Sie sich, wenn ihr Therapeut/ihre Therapeutin die Einnahme von Antidepressiva empfiehlt, nicht durch völlig überholte Behauptungen zum Beispiel über Suchtpotential oder Nebenwirkungen verunsichern. Moderne Antidepressiva sind wirksam. Allerdings ist die individuelle Wahl des richtigen Arzneimittels entscheidend. Deshalb ist es wichtig, einen Facharzt/eine Fachärztin (für Psychiatrie) zu Rate zu ziehen.
* Akzeptieren Sie Ihre Krankheit. Aber versuchen Sie immer wieder, sich ihrer Stärken und der positiven Seiten ihres Lebens bewusst zu werden, auch wenn es Ihnen manchmal unmöglich erscheint. Tun Sie sich Gutes. Erhalten Sie Ihre Freundschaften. Lassen Sie sich von Freunden und Angehörigen zu Aktivitäten bewegen, die Ihnen früher Freude gemacht haben. Setzen Sie sich zum Ziel, besser mit belastenden Situationen umgehen und manchmal auch "nein" sagen zu können. Streben Sie an, wichtige Entscheidungen selbst zu treffen, aber tun Sie dies erst, wenn Sie sich wirklich wieder etwas besser und dazu in der Lage fühlen.
* Denken Sie daran, dass Depressionen gut behandelbar sind!!!

26 Oktober 2005

ADHS-Medikament fördert Suizidgedanken


http://www.dradio.de/dlf/sendungen/sprechstunde/431640/

Zitat:

Rund fünf Prozent aller Kinder und Jugendlichen leiden unter dem ADHS-Syndrom, der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, landläufig bekannt auch als Zappelphilipp-Syndrom. Seit März 2005 gibt es das Medikament Strattera. Es lindert es gleichzeitig die bei ADHS häufig vorkommenden depressiven Störungen. Genau da aber liegt der Knackpunkt: Strattera fördert bei Kindern und Jugendlichen Suizidgedanken - davor warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Der neunjährige Lukas nervt seine Umgebung: Weder zu Hause noch in der Schule kann er zwei Minuten still sitzen, ständig springt er herum, unfähig, sich auch nur kurze Zeit zu konzentrieren. Dass es dem Jungen nicht gut geht, hatte sein Lehrer rasch erkannt: Kein altersspezifischer Bewegungsdrang, sondern innere Unruhe treibt Lukas an. Ein zu Rate gezogener Arzt diagnostizierte denn auch das ADHS- beziehungsweise Zappelphilipp-Syndrom.

Die Ursachen werden zunehmend in bestimmten biologischen Regelkreisen gesehen, die gestört sind, also in der frontobasalen Steuerung von Verhaltensimpulsen haben diese Kinder Schwierigkeiten eine richte Balance zu finden. Sie sind sehr reizoffen, sie haben Schwierigkeiten bei der Reizverarbeitung und deshalb können sie eben schlecht wie wir sagen diese exekutiven Funktionen der Handlungssteuerung gut umsetzen.

ADHS - sagt Professor Gerd Lehmkuhl, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität zu Köln - wird vererbt, Untersuchungen belegen, dass während der Schwangerschaft rauchende Mütter vermehrt hyperaktive Kinder bekommen, allerdings spielt auch Erziehung eine Rolle: Den Kindern fehlen häufig klare Grenzen und emotionale Zuwendung. Als Alternative zur medikamentösen Therapie mit Ritalin ist seit März 2005 das Medikament Strattera auf dem Markt.

Strattera wirkt anders als die Stimulanzien. Es ist eine noradrenarge Substanz, als Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, insofern hat es Ähnlichkeit mit Substanzen, die eingesetzt werden bei depressiven Störungen.

Das Medikament dämpft die hyperaktiven Phasen der Kinder, außerdem hat es einen wohltuenden Einfluss auf die häufig zu beobachtenden depressiven Symptome.

Anhaltende - nach der derzeitigen Definition mindestens 14 Tage - anhaltende Herabgestimmtheit gekennzeichnet durch Verlust von Freude und Interesse.

Sagt Jürgen Fritze, Professor für Psychiatrie an der Universität Frankfurt am Main. Nun beobachten Mediziner bei der Behandlung mit Antidepressiva - in diese Gruppe fällt Strattera zumindest teilweise - dass viele Patienten unter Suizid-Gedanken leiden. Grund: Antidepressiva führen zu einer inneren Unruhe,…

…die sich auch körperlich zeigen kann, wenn man zum Beispiel nicht mehr auf der Stelle stehen kann, so genannte Akathisie. Wenn man dabei depressiv ist, kommt dabei indirekt zu solchen Gedanken, nicht mehr leben zu wollen oder auch zu entsprechenden Handlungen sich etwas anzutun.

Eine Beobachtung, die auch Gerd Lehmkuhl im Umfeld von Strattera gemacht hat.

Es gibt Berichte, die belegen, dass Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren vermehrt Impulse oder Gedanken haben, die sich mit suizidalen Inhalten beschäftigen. Es wird von einem vollendeten Suizid auch gesprochen.

Wobei niemand belegen kann, dass der Suizid tatsächlich durch Strattera ausgelöst worden war, möglicherweise - sagt Gerd Lehmkuhl - wäre es auch ohne das Medikament zu dieser Entwicklung gekommen. Unbekannt sind diese Nebenwirkungen übrigens nicht, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat deshalb entschieden, dass diese Nebenwirkungen im Beipackzettel von Strattera vermerkt werden müssen. Umso wichtiger ist deshalb eine sorgfältige Kontrolle des Patienten während der Behandlung.

Zum einen besprechen wir im Vorfeld immer die möglichen Nebeneffekte, also, dass man drauf achten sollte, dass solche Gedanken auftreten können - zum einen - zum andern sollte man dann auch engmaschige Kontrollen und Gespräche führen, um mit den Kindern und Jugendlichen zusammen überlegen, ob solche Dinge für sie eine inhaltliche Bedrohung darstellen.

Strattera vom Markt zu nehmen, hält der Kölner Kinderpsychiater für falsch, der Erfolge von Strattera ist überzeugend. Allerdings verweist er auf ein ganz anderes, garantiert nebenwirkungsfreies Behandlungskonzept.

Die Psychotherapie, in diesem Fall die Verhaltenstherapie, hilft ähnlich gut wie die Pharmakotherapie.


Einziger Nachteil: Die Wirkung setzt erst nach einigen Wochen und Monaten ein - für entnervte Eltern viel zu spät!

Vielfältige Gründe für den Suizid im Jugendalter


http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=21817

Zitat:
Vielfältige Gründe für den Suizid im Jugendalter

GENF. Die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sich das Leben nehmen, waren vorher bereits wegen mentaler Erkrankungen auffällig. Dies geht aus einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO im American Journal of Orthopsychiatry (2005; 75: 676-683) hervor. Die Autoren fordern die Therapeuten auf, bei der Betreuung aller auffälligen Jugendlichen verstärkt an ein mögliches Suizid-Risiko zu denken, das keinesfalls nur bei Depressionen erhöht ist.

In vielen Ländern steigt die Rate von Suiziden in der Altergruppe unter 30 Jahren. Allgemein werden Depressionen als wesentlicher Auslöser vermutet. Die jetzt von Alexandra Fleischmann und Mitarbeitern der WHO in Genf vorgestellten Daten zeigen jedoch, dass das Problem umfassender betrachtet werden muss. Ihre Literaturübersicht, die vor allem Studien aus Europa und Nordamerika zusammenfasst, zeigt zwar, dass 89 Prozent der Patienten mindestens an einer mentalen Erkrankung litten. Dies waren allerdings nicht nur Gemütserkrankungen (40 Prozent).

Zudem kamen in dieser Gruppe neben der Depression auch Dysthymien, Manien, Hypomanien, bipolare Erkrankungen oder nichtspezifische Gemütserkrankungen als Suizid-Auslöser infrage. Ebenso häufig wie Gemütserkrankungen waren Alkohol- oder Drogenprobleme (40 Prozent) oder so genannte unterbrechende Verhaltensstörungen (“disruptive disorders”, 20 Prozent). Dazu zählen die Autoren neben Verhaltensstörungen, das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS), oppositionelles Verhalten und Identitätsstörungen.

Programme zur Suizid-Prävention, wie sie etwa von der WHO entwickelt werden, sollten nach Ansicht von Fleischmann und Mitarbeitern immer mentale Erkrankungen als Gesamtes zum Ansatzpunkt haben, statt sich auf Depressionen zu konzentrieren. Der Anteil der Depressionen an der Suizidalität jüngerer Menschen sei zwar groß, aber doch nicht so dominierend wie häufig angenommen. Neben der persönlichen Prädisposition spiele bei Suiziden im jüngeren Alter auch die soziale Herkunft und das soziale Umfeld eine Rolle. Eine erfolgreiche Prävention müsse auch die psychosozialen Risikofaktoren und die Kultur eines Landes berücksichtigen.


Weitere Informationen:
http://www.apa.org/journals/releases/ort754676.pdf
http://www.who.int/mental_health/preven ... index.html

Leipzig: 78% mehr psychisch Erkrankte


http://www.lvz-online.de/lvz-heute/9958.html

Zitat:
Was aber auch wachsend Sorge bereite, sei der Anstieg psychischer Erkrankungen. "Die Zahl der Krankheitsfälle liegt mittlerweile um 78 Prozent über den Werten von 1997. Die Zahl der Betroffenen nahm im gleichen Zeitraum um 62 Prozent zu. Inzwischen sind seelische Störungen, vor allem Ängste und Depressionen, die vierthäufigste Ursache einer Krankschreibung"

EU-Maßnahmen gegen psychische Erkrankungen


http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=21758

Zitat:
Um mehr Aufschluss darüber zu bekommen, welche Auswirkungen psychische Erkrankungen im Einzelnen auf das wirtschaftliche und soziale Gefüge der Bevölkerungen in Europa haben und wie die Regierungen am besten damit umgehen können, hat die EU eine breit angelegte Debatte eingeleitet. Die Kommission schlägt im Wesentlichen drei Maßnahmen vor:

- die Eröffnung eines Dialogs mit den Regierungen den Mitgliedstaaten über einen Aktionsplan zur psychischen Gesundheit,

- die Einrichtung einer EU-Plattform für psychische Gesundheit, an der sich auch Interessenvertreter beteiligen können, um zu überlegen, wie die das Thema psychische Gesundheit in die verschiedene Sektoren und Politikbereiche der EU integrieren lässt und wie welche ethischen Aspekte dabei zu berücksichtigen sind,

- und die Veröffentlichung allgemein zugänglicher Informationen, einschließlich eines Trendmonitoring, Datensammlung und die Ermittlung von bewährten Verfahren zum Umgang mit psychischen Erkrankungen und ihren sozialen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen. /ps

Nur jeder 10 wird richtig therapiert


http://www.medizinauskunft.de/artikel/a ... sionen.php

Zitat:
Die wenigsten Patienten mit Depressionen werden in Deutschland richtig versorgt. Die Therapiemängel führen zu unnötigen Rückfällen.

Menschen mit Depressionen werden in Deutschland meist unzureichend betreut. "Nur 10 Prozent aller Betroffenen erhalten eine Therapie, die dem Stand der Forschung entspricht", sagt Prof. Ulrich Hegerl vom Münchner "Kompetenzzentrum Depression" in der Zeitschrift Vital. Ein Grund dafür sei das oft schlechte Krankheitsmanagement der Ärzte, das unter anderem zu vielen unnötigen Rückfällen führe, kritisiert der Experte.

Depressionen beeinträchtigen wie kaum eine andere Erkrankung die Lebensqualität und sind inzwischen die Volkskrankheit Nummer eins - noch vor Herzinfarkt und Diabetes. Jeder fünfte Bundesbürger bekommt sie mindestens einmal in seinem Leben, und 25 Prozent der Frauen sind betroffen. Zugleich sind unbehandelte Depressionen Hauptgrund für die hohe Selbstmordrate in Deutschland. Über 13.000 Menschen haben sich 2004 umgebracht, das sind 15 Prozent aller Depressionspatienten undweit mehr als im europäischen Durchschnitt.

Nach Schätzungen des Kompetenzzentrums Depression gehen 40 Prozent der Patienten nicht zum Arzt, sondern behandeln sich selbst. Das sei fatal, denn sie riskierten eine weitere Verschlechterung ihresGesundheitszustandes, warmt Hegerl. Dabei können über 80 Prozent der Depressiven erfolgreich behandelt werden. Bei leichten Depressionen reicht oft schon eine Gesprächstherapie, bei schwereren Erkrankungen ist oft eine Kombination aus Antidepressiva und Psychotherapie sinnvoll. Immerhin die Hälfte der Patienten kann nach der Behandlung als dauerhaft geheilt gelten und muss keine Medikamente nehmen.

Neue Untersuchungen der US-Universität Michigan weisen darauf hin, dass Depressionen durchaus sinnvolle "Energiespar-Modelle" der Seele sein können. "Eine Depression stellt sicher, dass wir unsere Energie nicht an Dinge verschwenden, die es nicht wert sind", sagt Studienleiter Prof. Randolph M. Nesse. "Sie schützt uns davor, dass wir uns für etwas, was uns nicht gut tut, auspowern." Und sie erzwinge durch zeitweiliges emotionales Erstarren den Raum für Regeneration, Nachdenken und Neuorientierung.

Basel: 90 Selbstmorde pro Jahr


http://www.20min.ch/tools/suchen/story/23978128

Zitat:
Suizide: Beide Basel mit der schweizweit höchsten Rate

Mit 90 Selbstmorden pro Jahr weisen die beiden Basel die höchste Suizidrate der Schweiz auf. Ein Drittel der Suizide wird mit Schusswaffen verübt.
Publiziert vor 20 Stunden 50 Minuten

Andreas Frei, Leiter des Forensischen Dienstes am Kantonsspital Luzern, hat zusammen mit den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) die Selbstmorde in den beiden Basel untersucht. Pro Jahr bringen sich laut der Studie in der Region etwa 90 Menschen um.

Tendenziell werden in Baselland weniger Selbstmorde begangen als in der Stadt und im Oberbaselbiet weniger als im Unterbaselbiet. Das habe sicher etwas mit der «städtischen Anonymität» zu tun, begründet Frei diesen Unterschied in einem Interview mit der «BZ»: Die Vereinsamung spiele bei Suiziden eine grosse Rolle.

«Weshalb gerade Basel die höchste Suizidrate hat, lässt sich nicht auf einen spezifischen Grund zurückführen», sagt der stellvertretende Leiter der Forensischen Dienste der UPK, Mark Graf.
Auffallend ist laut Studie, dass ein Drittel der Selbstmorde in der Schweiz mit Schusswaffen verübt wird.

Beunruhigend sei auch, dass vor allem jüngere Männer mit guten beruflichen Qualifikationen dabei die Armeewaffe benutzen. Öfter werde nur noch in den USA zur Waffe gegriffen. «Die Erkenntnisse der Studie werden teilweise auch in die Prävention fliessen», so Graf.

Rehabilitation von Unfallopfern


http://idw-online.de/pages/de/news132447

Zitat:
Rehabilitation von Unfallopfern
Therapie hilft schwerverletzten Patienten

Unfallopfer verarbeiten ihr Trauma besser, wenn eine therapeutische Betreuung schon während des stationären Aufenthalts im Krankenhaus erfolgt. Bereits nach der ersten Schockphase, die bis zu einer Woche andauern kann, sollte die psychologische Therapie beginnen.] Insbesondere Depressionen und Angstzustände treten bei therapierten Patienten seltener auf als bei denjenigen ohne Betreuung. Zu diesem Ergebnis gelangt Dr. Nicola Pirente in einer kontrollierten Studie der Biochemischen und Experimentellen Abteilung der Universität zu Köln im Zusammenarbeit mit den unfallchirurgischen Universitätskliniken in Köln und Witten-Herdecke (Campus Merheim).

Die Gründe für ein Trauma sind vielfältig: Verkehrsunfälle mit dem Auto, Fahrrad oder als Fußgänger zählen zu den häufigsten Ursachen neben Arbeitsunfällen sowie Unfälle bei Sport- und Freizeitaktivitäten. Erlebte Traumata zu bewältigen ist nach Auffassung von Dr. Pirente wichtig, weil sonst Schwierigkeiten im alltäglichen Umgang auftreten können. Das Unfallopfer entwickelt Fahrphobien, die das selbständige teilnehmen am Straßenverkehr z.B. mit dem Auto erschweren. Angstzustände in vorher unbeschwerten Situationen oder Depressionen verhindern die Eingliederung in das soziale Umfeld und die Rückkehr in das Berufsleben.

Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken ist eine frühe therapeutische Behandlung schon im Krankenhaus sinnvoll. Bereits acht psychotherapeutische Sitzungen während des stationären Aufenthalts bringen den gewünschten Erfolg. In der Studie konnte nachgewiesen werden, dass gezielte Techniken der Depressionsbehandlung und der Angstbewältigung sich positiv auf den Patienten auswirken.

Die Wiedereingliederung der Unfallopfer in das Berufsleben hängt jedoch neben der psychologischen Therapie, auch von der Art der Verletzung ab. Verletzungen an den unteren Extremitäten, am Kopf oder an der Wirbelsäule erschweren den Weg zurück ins Berufszuleben. Die Bewegungsfreiheit der Patienten für den Beruf ist unter diesen Umständen zu stark eingeschränkt. Ähnlich ist es bei Patienten, die seit dem Trauma unter starken Schmerzen leiden; auch diese Gruppe rehabilitiert nur selten beruflich. Daher ist es laut Dr. Pirente empfehlenswert, nicht nur die psychologische Betreuung sondern vor allem auch die Akutschmerztherapie zu fördern, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

EU-Expertentreffen über psychische Erkrankungen - Mehr Suizidtote als Verkehrstote


http://europa.tiscali.de/index.jsp?sect ... ent=412087

Zitat:
Volkskrankheit Depression
Jeder vierte Erwachsene ist psychisch krank

In Europa gibt es mehr Suizidtote als Straßenverkehrsopfer. Den meisten der Selbsttötungen gehen schwere Depressionen voraus. Mit Hilfe von Konferenzen und Konsultationen versucht die EU nun, dem wachsenden Problem seelischer Erkrankungen Herr zu werden.

“Mehr als einer von vier Europäern ist von einer psychischen Erkrankung betroffen. Jahr für Jahr kostet dies unsere Volkswirtschaften bis zu vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts als Folge von Produktivitätseinbußen und Sozialkosten. Wohl keiner anderen Krankheit würde man so wenig Beachtung schenken, wenn ein so hoher Prozentsatz der Bevölkerung von ihr betroffen wäre."

Mit diesen Worten unterstrich EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou am Montag die Bedeutung des Problems der gefährdeten psychischen Gesundheit von immer mehr Menschen. Seine Feststellung zeigt, dass eine psychische Erkrankung eben (noch) nicht als eine Krankheit wie alle anderen betrachtet wird. Insbesondere darum wird es gehen, wenn die EU-Kommission am kommenden Montag in Luxemburg eine Konferenz über psychische Gesundheit ausrichten wird.

Lebensmüde Litauer

Das Experten-Treffen soll der Anfang einer Konsultation sein, in deren Zuge versucht wird, europaweit die besten Praktiken zur Bekämpfung des neuen Volksleidens zu finden. Denn dass es sich um ein Volksleiden handelt, ist mittlerweile unbestritten. Gemäß Kommissionsangaben leiden etwa 27 Prozent der erwachsenen Europäer an einer psychischen Erkrankung, in den meisten Fällen an Depressionen oder Angstzuständen. Etwa 58.000 Menschen in der EU sterben jährlich durch Selbsttötung; dies ist mehr als die jährliche Todesfallrate durch Straßenverkehrsunfälle (50.700).

Ausmaß und Auswirkungen von Depressionen und Selbsttötungen sind in Europa jedoch sehr verschieden. So läge die Suizidrate in Litauen bei 44 pro 100.000 Menschen, in Griechenland hingegen bei 3,6 pro 100.000 Menschen. Die Zahl der unfreiwilligen Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen sei in Finnland 40mal höher als in Portugal. Der Anteil der Ausgaben für psychische Gesundheit am nationalen Gesundheitsetat reiche von 13 Prozent in Luxemburg bis zu 2 Prozent in der Slowakei.

Durch die Konsultation soll die Öffentlichkeit nun stärker für dieses Problem sensibilisiert werden, während sich die Kommission gleichzeitig Anregungen für eine künftige EU-Strategie für die Förderung der seelischen Gesundheit verspricht. Die Konsultation läuft bis zum 30. April 2006. Die Strategie soll bis Ende 2006 vorliegen.

Jeder 4. Europäer psychisch krank - 58.000 Selbsttörungen jährlich


http://www.orf.at/index.html?url=http%3 ... 97209.html

Zitat:
Jeder vierte Europäer psychisch krank

Jeder vierte Europäer ist psychisch krank. Mehr als 27 Prozent aller Erwachsenen in der EU bekämen jedes Jahr entsprechende Probleme, teilte die Brüsseler Behörde gestern mit. Am häufigsten träten dabei Depressionen und Angststörungen auf.

Psychische Erkrankungen seien die Hauptursache für die rund 58.000 Selbsttötungen jährlich in der EU. Das übertreffe die Zahl der Verkehrstoten. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen seien beachtlich. Psychische Erkrankungen belasteten das Gesundheits- und Bildungswesen sowie die Justiz.

Große EU-weite Unterschiede

Zusammen mit Produktionsausfällen verringern psychische Erkrankungen, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die Wirtschaftsleistung in Höhe von drei bis vier Prozent, erklärte die Kommission. Die Kommission will nun einen Aktionsplan zur psychischen Gesundheit entwickeln.

Auch dem Thema der Grundrechte psychisch kranker und geistig behinderter Menschen will man sich stärker widmen. Das Ausmaß psychischer Erkrankungen ist laut den Daten in der EU sehr unterschiedlich: In Litauen liege die Selbstmordrate bei 44 pro 100.000 Einwohnern, während sie in Griechenland nur 3,6 betrage.

Tirol: Patientenanwalt schlägt Alarm - Zwangsunterbringung stark angestiegen


http://derstandard.at/?url=/?id=2205246

Zitat:
Psychiatrie in Tirol: Tagelang keine frische Luft
Starker Anstieg unfreiwilliger Patienten - Ruhigstellen mit Medikamenten und häufigere "Fixierungen" - Patientenanwalt schlägt Alarm

Innsbruck – "Die Patienten kommen oft tagelang nicht an die frische Luft", kritisiert die Leiterin der Tiroler Patientenanwaltschaft, Patricia Gerstgrasser, die Zustände an den geschlossenen psychiatrischen Abteilungen in Innsbruck, Hall und Kufstein. Schriftliche und mündliche Hinweise auf die Missstände waren bisher erfolglos.

"Ganz hinten"

Die erst 1999 eingerichtete psychiatrische Abteilung am Bezirkskrankenhaus Kufstein wurde im vierten und obersten Stockwerk "ganz hinten" angesiedelt. Für regelmäßige begleitete Spaziergänge im Garten fehlt schlicht das Personal, sagt Gerstgrasser. Primar Carl Miller meint, der Standort sei nicht ideal, aber "wir versuchen diese Patienten in Begleitung täglich in den Garten zu bringen".

Am Psychiatrischen Krankenhaus Hall hatten die alten geschlossenen Abteilungen direkte Gartenzugänge, die neuen Stationen nicht mehr. Im Primariat B gibt es seit Kurzem wenigstens mit Gittern gesicherte Terrassen, die aber selbst der ärztliche Leiter Harald Schubert als Käfige bezeichnet. Im Schubert direkt unterstehenden Primariat A sind Patienten auf begleitete Spaziergänge angewiesen.

Am dramatischsten ist aus Sicht Gerstgrassers die Situation an der Psychiatrischen Universitätsklinik in Innsbruck. Chronische Überbelegung führt nicht nur dazu, dass die nach dem Unterbringungsgesetz eingelieferten Patienten nur sporadisch ins Freie kommen. Seit 1998 hat sich die Zahl der "Fixierungen" verdreifacht, im Vorjahr war jeder vierte Patient unfreiwillig davon betroffen. Klinikchef Hartmann Hinterhuber spricht von einer hundertprozentigen Auslastung an den beiden geschlossenen Abteilungen. Ein Neubau der geschlossenen Frauenstation mit eigener Terrasse und "erweitertem Therapie- und Freizeitangebot" sei geplant.

Mehr Unterbringungen

Im ersten Halbjahr 2005 sind die "Unterbringungen ohne Verlangen" in Innsbruck neuerlich um 28 Prozent gestiegen. Gerstgrasser sieht eine österreichweite Tendenz: 1991, im ersten Jahr nach der Psychiatriereform und dem Inkrafttreten des Unterbringungsgesetzes, waren 4094 Personen gegen ihren Willen in einer Psychiatrie. 2004 waren es bereits 17.143.

Österreich: neues Heimaufenthaltsgesetz - Freiheitsbeschränkungen nun bei Bezirksgerichen klagbar


http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefa ... rentpage=0

Zitat:
Neues Heimaufenthaltsgesetz soll Ärzten und Pflegepersonal auf die Finger schauen
Mehr Würde für Betreuungsfälle

Aufzählung Neues Heimaufenthaltsgesetz bringt mehr Rechtssicherheit.

Wien. Der Bewohner eines Alten- und Pflegeheims wird an seinen Rollstuhl angegurtet. Das war und ist normaler Alltag in der Altenbetreuung. Seit 1. Juli dieses Jahres sind die verantwortlichen Ärzte allerdings dazu verpflichtet, diesen Akt der Freiheitsbeschränkung zu dokumentieren und zu melden - dadurch wird dessen Zulässigkeit nun besser überprüfbar. Das neu erlassene Heimaufenthaltsgesetz bringt mehr Rechtssicherheit in diese bislang eher rechtliche Grauzone.

Selbstbestimmung so lange wie möglich

Über Jahre, ja Jahrzehnte wurde debattiert. Nun wurde, man möchte fast sagen: endlich das Heimaufenthaltsgesetz erlassen, das sich dem Schutz der Freiheitsrechte der Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen (und vergleichbaren Institutionen) verschrieben hat. Im Psychiatriebereich gibt es schon seit längerem eine vergleichbare Regelung, das Unterbringungsgesetz, an dem man sich denn auch bei der Ausarbeitung des neuen Gesetzes orientierte.

Zwingende Maßnahmen zu schnell gesetzt

Die Alten- und Pflegeheime fallen in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Länder. Das Heimaufenthaltsgesetz ist allerdings Bundesgesetz, gilt also bundesweit für alle Heime. Der Staat wollte damit nicht zuletzt auch auf symbolischer Ebene betonen, wie sehr ihm das hohe Gut Privatautonomie und Selbstbestimmung seiner Bürger am Herzen liegt. Eben auch der älteren Bürger. Er möchte ihre Recht schützen - und hält zu diesem Zweck in dem neuen Gesetz genau fest, unter welchen Bedingungen sie allein beschränkt werden können.

Freiheitsbeschränkung als ultima ratio

Welche freiheitsbeschränkenden Maßnahmen sind überhaupt typisch für Heime? Beispielsweise das Angurten an den Rollstuhl. Oder das Einsperren in einen Raum. Oder die Ruhigstellung mit Medikamenten. Allgemein formuliert: Eine Freiheitsbeschränkung liegt dann vor, "wenn eine Ortsveränderung einer betreuten oder gepflegten Person gegen oder ohne ihren Willen mit physischen Mitteln oder durch deren Androhung unterbunden wird". Und das völlig unabhängig vom jeweiligen Zeitausmaß.

Eine Freiheitsbeschränkung kann nach neuer gesetzlicher Regelung nur dann vorgenommen werden, wenn

– der Bewohner psychisch krank oder geistig behindert ist und infolge dieser Art von Handlungsunfähigkeit seine eigene Gesundheit oder die anderer ernsthaft gefährdet ist.

– die Beschränkung zur Abwehr dieser Gefahr unerlässlich und geeignet ist

– diese Gefahr nicht durch andere Maßnahmen, insbesondere schonendere Pflege- und Betreuungsmaßnahmen, abgewendet werden kann.


Es wird deutlich, dass der Gesetzgeber in der Freiheitsbeschränkung eine "ultima ratio" sieht. Erst sind alle anderen Maßnahmen auszuschöpfen, und es muss eine "ernsthafte", nicht irgendeine Gefährdung vorliegen. Damit sind ab sofort beliebte Begründungen von Seiten des Heimpersonals wie "eine Gesundheitsgefährdung kann nicht ausgeschlossen werden" nicht mehr gültig, auch das intendierte "Wohl des Heimbewohners" allein rechtfertigt noch nicht eine Freiheitsbeschränkung.
Pflicht zur Aufklärung und Dokumentation

Konkret: Ein Arzt, der einen Heimbewohner an den Rollstuhl angurtet, weil der dann einfach pflegeleichter ist, handelt rechtswidrig. Wer das allerdings tut, weil der Heimbewohner akut sturzgefährdet ist, nimmt eine zulässige Freiheitsbeschränkung vor. Dieser Arzt (oder Heimleiter, gegebenenfalls auch diplomiertes Pflegepersonal) muss in diesem Fall, so bestimmt es weiter das Gesetz, noch bestimmte formale Kriterien erfüllen, nämlich den Heimbewohner über die Maßnahme aufklären, den Fall dokumentieren (Grund, Art, Beginn und voraussichtliche Dauer der Freiheitsbeschränkung) und ihn der Heimleitung melden. Die wiederum hat dann die Bewohnervertretung (in der Regel vom Verein für Sachwalterschaft und Patientenanwaltschaft) und eine Vertrauensperson des betroffenen Heimbewohners zu verständigen.

Mehr Papierkram – mehr Transparenz

Auf die zuständigen Ärzte kommt nun also mehr Schreibarbeit zu – jeder Akt der Freiheitsbeschränkung will begründet sein. Sowohl für die Bewohner wie auch das Personal in den Heimen erhöht sich durch die klaren Vorgaben des neuen Gesetzes allerdings auch die Rechtssicherheit. Und nicht zuletzt gewinnen die Heime an Transparenz: Nun kann auf Antrag vom Bewohner oder einem seiner Stellvertreter jede Freiheitsbeschränkung vom Bezirksgericht auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft werden.

Psychopharmaka in der Pflege - 70% vermeidbar


http://www.hr-online.de/website/rubrike ... t_12117506

Zitat:
Viele alte Menschen werden in Pflegeheimen ruhig gestellt. Zu dieser Erkenntnis kommen mehrere Studien. Demnach würden die Medikamente oftmals leichtfertig und zu lange verabreicht. Frankfurter Forscher haben in einem interdisziplinären Forschungsprojekt nach anderen Wegen gesucht

In Deutschland herrscht Pflegenotstand und das schon seit Jahren. Doch selbst wer sich die kostenspielige Vollzeitpflege eines Anghörigen leisten kann, bucht kein Rundum-Sorglos-Paket. Pflege ist teuer, das Personal ist knapp. Die Überforderung des Personals aber geht immer zu Lasten der alten Menschen. Mit der steigenden Stressbelastung sinkt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen die Hemmschwelle zum Einsatz von Medikamenten.

Es gibt verschiedene medizinische Gründe Psychopharmaka in der Pflege einzusetzen. Als Antileptika helfen sie gegen Angst und Spannungszustände. Sie können auch beruhigen. Neuroleptika bekommen Heimbewohner bei Unruhe und Verwirrtheit. Verschiedene Untersuchungen in den vergangenen Jahren sind zu dem Schluss gekommen, dass neben den medizinischen Gründen für den Einsatz von Psychopharmaka oft auch Zusammenhänge mit personellen und räumlichen Bedingungen der Pflegeheime vorliegen. Des weiteren können Verhaltensauffälligkeiten der Patienten (Agitation und Unruhe, Tag-Nacht-Rhythmus-Störungen, Umherwandern), wie sie oft bei Demenzerkrankungen beobachtet werden, zum verstärkten Einsatz von Psychopharmaka führen.

Dass in Deutschlands Altenheimen zu viele Psychopharmaka zu lange und in zu hohen Dosen verabreicht werden, hatte in der jüngeren Vergangenheit eine Untersuchung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen (MDK) herausgefunden. Die Dosierungen sollen teilweise über das in der Psychiatrie bekannte Maß hinausgehen. Durch die dauerhafte Psychopharmaka-Vergabe komme es bei den Bewohnern zu Muskelerschlaffung, was wiederum die Sturzgefahr der älteren Menschen erhöhe und die Immobilität fördere. Denn viele Substanzen werden auch zur Beruhigung und zum besseren Schlaf verordnet. Sie führen dazu, dass sich Menschen etwas brechen, weil sie stolpern. In der Folge erhöht sich so sogar die Pflegebedürftigkeit.

Internationalen Studien zufolge liegen die Verordnungsraten von Psychopharmaka bei Altenheimbewohnern zwischen 34 und 75 Prozent. Der schnelle Griff zur "Chemischen Keule" lässt sich gegebenenfalls durch die Feststellung des individuellen Betreuungsbedarfs ersetzen. Über 70 Prozent der Psychopharmaka, die in Altenheimen eingesetzt werden, könnte man weglassen, sagen Experten. Zeitgemäßes Personalmanagement verbunden mit einem Betreuungs- und Beschäftigungskonzept können den Einsatz von Psychopharmaka zur Ruhigstellung überflüssig macht.

Mit einer interdisziplinären Studie haben Frankfurter Wissenschaftler nun versucht, die verschiedenen Aspekt der Problematik zusammen aufzuarbeiten und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Die von der Stiftung der BHF-Bank geförderte Studie berücksichtigt gerontopsychiatrische, ethische und juristische Aspekte. Beteiligt waren die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, das Senckenbergische Institut für Geschichte der Medizin und das Institut für Europäische Gesundheitspolitik und Sozialrecht in Frankfurt.

Österreich - Kündigungen im Krankenstand nehmen zu


http://oesterreich.orf.at/vorarlberg/stories/63425/

Zitat:
Kündigung während des Krankenstandes
Immer mehr Mitarbeiter werden vor oder während eines Krankenstandes gekündigt. Oft werden die Beschäftigten zu einer einvernehmlichen Lösung gedrängt, kritisiert AK-Arbeitsrechtsexperte Arno Sandholzer.


Zahl der Krankenstandstage nimmt ab
Die Zahl der Krankenstandstage nimmt in Vorarlberg ständig ab - sie liegt derzeit - weit unter dem Bundesdurchschnitt - bei 10,5 Tagen pro Arbeitnehmer. Das führt Sandholzer eindeutig darauf zurück, dass die Arbeitnehmer massiv unter Druck gesetzt werden, auch mit der angespannten Arbeitsmarktsituation. Man gebe ihnen das Gefühl, leicht ersetzbar zu sein.

Zahlreiche Anfragen bei der Arbeiterkammer
Es vergeht keine Woche, in der nicht mehrere Anfragen zum Thema Kündigung im Krankenstand bei Arno Sandholzer, Arbeitrechtsexperte in der Arbeiterkammer einlangen.


Rechtliche Situation
Rechtlich ist es so: wenn ein Arbeitgeber vor einem anstehenden Krankenstand - etwa vor einer Operation das Dienstverhältnis auflöst, erspart er sich die Lohnfortzahlung. Auch bei einer einvernehmlichen Lösung muss der Arbeitgeber im Krankenstand nicht weiterbezahlen.


Arbeitgeber muss Krankenstand ausfinanzieren
Anders ist die Situation bei einer Kündigung im Krankenstand, sagt Sandholzer. Der Arbeitgeber kann das Dienstverhältnis zwar beenden, muss aber den Krankenstand noch ausfinanzieren, so als wäre das Dienstverhältnis noch aufrecht.

Im Fernsehen
AK-Arbeitsrechtsexperte Arno Sandholzer ist am Dienstag zu Gast in der Fernsehsendung "Vorarlberg heute".

Fachtagung über Kinder und Jugendliche mit Depressionen


http://stimme.de/freizeit/kultur-news/k ... 1f1e2d058d

Zitat:
Depressionen sind bereits bei Jugendlichen ernstes Problem

Die Depression zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Dass sie keineswegs auf das Erwachsenenalter beschränkt, sondern auch bei Kindern und Jugendlichen sehr verbreitet ist, machte am Freitag das Symposium Die Traurigkeit des Kindes im Weinsberger Klinikum am Weissenhof deutlich.

Ich denke, wir haben dem Gedanken der schweren depressiven Erkrankung im Jugendalter bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt , stellte Dr. Joachim Jungmann mit Blick auf seine Zunft selbstkritisch fest. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hatte als Organisator der Fachtagung Experten aus dem ganzen Bundesgebiet nach Weinsberg geholt. Ziel der Veranstaltung: Die Wahrnehmung für dieses Problemfeld zu verbessern. Und damit zur Prävention beizutragen.

Nur ein paar Zahlen: Etwa zwei Prozent aller Kinder bis zum zwölften Lebensjahr und fünf Prozent der Jugendlichen unter 20 Jahren leiden laut Jungmann unter Depressionen. Eine Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht davon, dass neun Prozent der 18-Jährigen in Europa mit Depressionen zu tun haben. Dazu kommt: Zehn bis 15 Prozent aller an Depression erkrankten Patienten begehen Selbstmord. Bei den 15- bis 19-Jährigen ist Selbsttötung inzwischen die zweithäufigste Todesursache. Nur bei Verkehrsunfällen sterben mehr junge Menschen. Und die Zahl der Selbsttötungsversuche, so wird geschätzt, liegt noch zehn bis 20 Mal höher als die vollendeten Suizide. Die Hälfte dieser Versuche wird auf Depression zurückgeführt.

Nur bei etwa 50 Prozent aller Erkrankten wird die richtige Diagnose gestellt.
Und von denen werden wiederum nur 50 Prozent angemessen ärztlich behandelt. Umso wichtiger ist es aus Sicht von Jungmann, die Früherkennung zu verbessern, das Umfeld, vor allem Familie und Schule, zu sensibilisieren. Denn gerade in der Pubertät - und da ganz besonders bei den Mädchen - nimmt die Zahl der depressiven Erkrankungen zu.

Die Anzeichen einer Erkrankung sind oft gar nicht so leicht zu erkennen. Diese Kinder sind meist nicht nervig und nicht anstrengend , so die Berliner Kinderpsychiaterin Lioba Baving. Symptome einer depressiven Erkrankung können sozialer Rückzug, ein Zurückbleiben in der alterstypischen Entwicklung, massive Ängste und Leistungsprobleme, aber auch Süchte sein. Chronische Überforderung ist ein enormer Risikofaktor , so Jungmann.

Depressionsfähig ist jeder Mensch , meinte der Bayreuther Professor Manfred Wolfersdorf. Doch je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, um so größer sind die Gesundungschancen. Dann kann es vielleicht bei nur einer depressiven Episode bleiben , so Lioba Baving. Medikamentöse Behandlung könne auch bei Kindern angesagt sein. Noch höher schätzt sie aber die Psychotherapie ein. Wichtig ist in jedem Fall, die Belastungsfaktoren , etwa schulische Überlastungen, zu beseitigen.

Zwar können auch äußere Ereignisse Depressionen auslösen. Mehr und mehr hat sich aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass doch vor allem genetische Faktoren eine große Rolle spielen. Großen Anteil an einer erhöhten seelischen Verletzlichkeit haben offenbar Veränderungen des Hirnstoffwechsels. Vor allem der Mangel des Botenstoffs Serotonin, der für die Weitergabe von Informationen von einer Hirnzelle zur anderen von Bedeutung ist, wird mit depressiven Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Trotz dieser Erkenntnisse hat es im gesellschaftlichen Umgang mit seelisch angeschlagenen Menschen aus Sicht von Jungmann kaum Fortschritte gegeben: Die Stigmatisierung psychisch Kranker muss ich weiter beklagen.

Volkskrankeit Depression


http://www.idw-online.de/pages/de/news130408

Zitat:
Volkskrankheit Depression: Mit Medikamenten aus dem Tal der Tränen? Welttag für Seelische Gesundheit am 10. Oktober 2005
Veröffentlicht am: 05.10.2005
Veröffentlicht von: Dr. Thomas Nesseler
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Pro und Contra der Behandlung mit Antidepressiva
Antidepressiva in der Kritik
Die Behandlung von schweren Depressionen erfordert neben der psychotherapeutischen Behandlung gerade in der Akutphase auch eine pharmakologische Therapie mit so genannten Antidepressiva. Zur Wahl stehen heute neben den "trizyklischen Antidepressiva" auch die "Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)". Diese Präparate erhöhen die Konzentration des Botenstoffs Serotonin und/oder Noradrenalin im Zentralen Nervensystem, genauer: In den Synapsenspalten der Nervenbahnen. Allein in Deutschland wurden bis 2003 insgesamt 214 Millionen definierte Tagesdosierungen (DDD) an SSRI-Präparaten sowie 275 Millionen DDD an "Trizyklika" ärztlich verordnet.

Obwohl die Wirksamkeit von Antidepressiva bei der Behandlung akuter depressiver Episoden in zahlreichen klinischen Studien belegt ist, wird derzeit eine Debatte über die Wirksamkeit dieser Pharmaka geführt, die bei uns zuletzt auch in den Fachorganen "Deutsches Ärzteblatt" und "Arznei-Telegramm" ihren aktuellen Widerhall fand. Im Mittelpunkt der Debatte stand dabei einerseits die Frage nach einer erhöhten Suizidalität unter SSRI, wobei andererseits der Vorwurf erhoben wurde, Antidepressiva grenzten sich in der Wirksamkeit nicht in klinisch relevantem Maße von Placebo ab. Dies ist ein massiver Vorwurf, weil damit die Effektivität der pharmakologischen Therapie von Depressionen pauschal in Abrede gestellt wird.

Der Gesundheitspolitische Sprecher und Leiter des Fachreferats Psychopharmakologie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), Professor Dr. Jürgen Fritze, hat sich in einer Stellungnahme kritisch mit dieser Sichtweise auseinandergesetzt. Sein Fazit: "Wenn man suggeriert, dass Antidepressiva nicht in klinisch relevantem Maße wirksam und wegen der Induktion von Suiziden lebensgefährlich seien, dann ist beides falsch. Derzeit gibt es keine wissenschaftliche Evidenz, dass Antidepressiva das Suizidrisiko erhöhen. Nicht auszuschließen ist, dass Antidepressiva zu Therapiebeginn das Risiko von suizidalen Gedanken und Suizidversuchen erhöhen. Deshalb muss den Patientinnen und Patienten zu Therapiebeginn besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Aber genau hier liegt das Problem, weil wir in Deutschland wegen einer massiven Unterfinanzierung keine ausreichende Versorgungssituation für diese Menschen haben."

Volkskrankheit Depression
Nach Angaben des Deutschen Gesundheitssurveys leiden in einem Jahr in der BRD knapp sechs Millionen Menschen an einer Depression. Die Experten gehen davon aus, dass etwa 17 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression erkranken, wobei Frauen ein doppelt so hohes Erkrankungsrisiko aufweisen als Männer. Obwohl man Depressionen sehr gut medizinisch behandeln kann - die Erfolgsrate bei Anwendung rechtzeitiger, zielgerichteter und wissenschaftlich validierter Therapieverfahren liegt bei 70 bis 80 Prozent - werden bei uns leider weniger als die Hälfte aller Depressionen behandelt. Dies bedeutet, dass die Gefahr der Entstehung eines therapieresistenten depressiven Syndroms sehr groß ist. Ferner ist in diesem Zusammenhang auch auf die relativ große Gefahr von Suiziden hinzuweisen. Depressionen stellen mit 50 Prozent die häufigste Ursache aller Selbsttötungen dar: Zwischen fünf und 15 von Hundert der Patienten mit wiederkehrenden depressiven Erkrankungen sterben auf diese Art. Deshalb hat die DGPPN als älteste und größte wissenschaftliche Vereinigung und Interessenvertretung von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland, die auf den Gebieten Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde arbeiten, wiederholt eine bessere Versorgung von psychisch Kranken gefordert, insbesondere von Menschen mit schweren chronischen, psychische Erkrankungen. Obwohl wir in Deutschland eine große Anzahl von ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten zur Versorgung von i.d.R. leichter Erkrankten haben, fehlen niedergelassene Fachärztinnen und -ärzte für Psychiatrie und Psychotherapie. Nicht zuletzt deshalb, weil eine massive Unterfinanzierung der psychiatrischen Basisversorgung zu konstatieren ist: So stehen pro Arzt und Patient nur 40 Euro pro Quartal zur Verfügung, was real zwei Patientenkontakte in einem Vierteljahr erlaubt. Besonders schlecht ist die Versorgung in den neuen Bundesländern. Dort kommen auf einen Nervenarzt über 20.000 Einwohner. Nach Auffassung der DGPPN ist damit eine flächendeckende psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet.

Welttag für Seelische Gesundheit
Depressionen, Alkoholerkrankungen, Schizophrenien und manisch-depressive Erkrankungen zählen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit zu den häufigsten Krankheitsursachen. In der Altersgruppe zwischen 15 und 44 Jahren machen diese Krankheiten etwa ein Viertel aller durch Behinderung beeinträchtigten Lebensjahre aus. Diese für die Weltbevölkerung erhobenen Daten beschreiben ebenfalls die Situation in der Bundesrepublik Deutschland: Sowohl der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen als auch der DAK-Gesundheitsreport 2005 haben zuletzt wieder auf einen stetig ansteigenden Trend bei den psychischen Erkrankungen verwiesen. Mittlerweile gehen fast zehn Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen in der Bundesrepublik auf seelische Krankheitsursachen zurück. Alarmierend ist vor allem, dass in den jüngeren Altersgruppen ein überproportionaler Anstieg der psychischen Erkrankungen zu verzeichnen ist. Besonders stark betroffen ist die Altersgruppe der 15-28jährigen Frauen sowie der 15 bis 34jährigen Männer. Experten bezeichnen daher Depressionen und Angststörungen bereits heute als die Volkskrankheit der Zukunft. Vor diesem Hintergrund hat die World Federation for Mental Health (WFMH) den Welttag für Seelische Gesundheit am 10.Oktober eines Jahres ins Leben gerufen. Der erste Welttag fand im Jahre 1992 statt. Weitere Informationen zum Welttag für Seelische Gesundheit: www.wmhday.net.