10 Februar 2006

Antidepressiva in der Schwangerschaft führen zum Entzugssyndrom von Neugeborenen

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=23033
Zitat: In der vergangenen Woche hatten sich US-Mediziner im amerikanischen Ärzteblatt JAMA für den Einsatz von Antidepressiva in der Schwangerschaft ausgesprochen. Jetzt macht eine Studie aus Israel in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2006; 160: 173-176) auf mögliche Risiken aufmerksam: Bei fast jedem dritten Neugeborenen fanden die Pädiater Symptome eines perinatalen „SSRI-Entzugssyndroms“.

Dass sich die Feten im Uterus an die selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) gewöhnen können, zeigt sich nach Ansicht von Rachel Levinson-Castiel vom Schneider Children's Medical Center in Petah Tiqwa/Israel vor allem am lautstarken Schreien der Neugeborenen. Daneben zählen ein Tremor, gastrointestinale Probleme und ein abnorm erhöhter Muskeltonus sowie Schlafstörungen zum „SSRI-Entzugssyndrom“.

Die Autoren haben 60 Neugeborene von Müttern untersucht, die während der Schwangerschaft mit Paroxetin, Fluoxetin, Citalopram, Sertralin oder Venlafaxin behandelt worden waren. Die Kinder wurden mit dem Finnegan-Score untersucht, eine Methode, die zum Nachweis eines neonatalen Entzugssyndroms bei Kindern opiatabhängiger Schwangerer entwickelt wurde. Dort zeigt ein Score von mehr als 10 Punkten ein behandlungsbedürftiges Entzugssymptom an.

Einen so hohen Wert erreicht der „SSRI-Entzug“ nicht, und die Autoren sehen auch keine Notwendigkeit zu einer Behandlung der Neugeborenen. Immerhin 8 der 60 untersuchten Neugeborenen hatten jedoch einen Score von 8 oder mehr, der nach Ansicht der Autorin ein schweres „SSRI-Entzugssyndroms“ anzeigt. Weitere 10 Kinder hatten einen Score von 4 bis 7, der auf ein mildes „SSRI-Entzugssyndrom“ hinweise. Bei den 60 Kontroll-Neugeborenen ohne SSRI-Exposition in der Schwangerschaft war der Finnegan-Score immer normal (0 bis 3 Punkte).

Die Autorin spricht sich nicht kategorisch gegen den Einsatz von SSRI in der Schwangerschaft aus, bittet aber darum, die Möglichkeit eines „SSRI-Entzugssyndroms“ bei der Indikationsstellung zu berücksichtigen. Nach der Geburt sollten die Kinder über 48 Stunden beobachtet werden. Außerdem fordert die Autorin weitere Studien zur Sicherheit von SSRI in der Schwangerschaft

1 Comments:

Anonymous SuMu said...

da ja Andidepressiva nicht süchtig machen sollen, da frage ich mich doch glatt, wieso dann Enzugssymptome auftreten ;-)

Samstag, 11 Februar, 2006  

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