02 Februar 2006

Neue Mannheimer Kohortenstudie

http://www.idw-online.de/pages/de/news145321
Zitat:
Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit wurden 1979 erstmals unter der Leitung von Prof. Heinz Schepank 600 Mannheimer Bürger auf ihre psychische Gesundheit hin untersucht. Diese sogenannte Mannheimer Kohortenstudie (MKS) wird nun unter der Leitung von Prof. Klaus Lieberz (Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie) mit einer weiteren Querschnittsuntersuchung dank der großzügigen Unterstützung der W. Müller Stiftung Mannheim fortgesetzt.
Die Studie widmet sich zum einen der Frage nach der Häufigkeit psychischer und psychosomatischer Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Zum anderen wird untersucht, wie solche Störungen verlaufen und durch was sie in ihrer Entstehung und in Verlauf beeinflusst werden.

Die Auswahl der 600 Probanden erfolgte 1979 nach Zufall aus allen deutschen Frauen und Männern der Geburtsjahrgänge 1935, 1945 und 1955 im Mannheimer Melderegister. Sie entstammen zu gleichen Anteilen aus den drei Geburtsjahrgangskohorten und sind je zur Hälfte Männer und Frauen. Bei Beginn der Untersuchung (1979) waren die Probanden im Durchschnitt 25, 35, und 45 Jahre alt. Heute sind sie 50, 60 und 70 Jahre alt.

An die erste Untersuchung 1979 schlossen sich weitere 2 bzw. 3 Untersuchungen an, so dass bisher insgesamt der Verlauf über ca. 15 Jahre erfasst werden konnte. Mit dem jetzigen Untersuchungsquerschnitt ist dann ein Verlauf über insgesamt 25 Jahre abzubilden, womit die Untersuchung auch im internationa-len Vergleich eine Ausnahmestellung einnimmt.

Als wesentliches Ergebnis der ersten Untersuchung (1979-1982) fand sich, dass 26% der gesamten untersuchten Bevölkerungsstichprobe als psychisch krank eingestuft werden mussten (34% der Frauen, 18% der Männer). Die Angehörigen der unteren Sozialschichten waren überrepräsentiert, ebenso Ledige, Getrenntlebende und Geschiedene.

In der Folgeuntersuchung (1983-1985) wurden die wesentlichen Befunde der Erstuntersuchung repliziert. Es zeigte sich, dass von einer hohen Zeitstabilität psychogener Erkrankungen auszugehen ist. Die sog. Spontanheilungsrate war mit etwa 6% gering, d.h. wer zum Zeitpunkt der ersten Untersuchung als seelisch krank einzustufen war, hatte in der Folge ein 8-fach erhöhtes Risiko, auch in der Folgezeit die Fallschwelle zu erreichen. Es zeigte sich weiterhin, dass eine stärkere psychogene Beeinträchtigung die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, im sozialen Schichtgefüge abzusteigen und dass chronisch psychogene Kranke vor allem Frauen aus den unteren sozialen Schichten sind.

Die Studie hat bisher schon große nationale und internationale Beachtung gefunden und wesentlich zu gesetzgeberischen Maßnahmen beigetragen, die der Verbesserung der seelischen und körperlichen Gesundheit der Bevölkerung dienen. Aus der Untersuchung sind zahlreiche Veröffentlichungen hervorgegangen. Die bisher vorliegenden Ergebnisse sind in dem Buch "Seelische Gesundheit und neurotisches Elend" von Franz, M; Lieberz K; Schepank H. (erschienen 2000 im Springer Verlag 2000) zusammengefasst.