14 Februar 2006

«Stress macht krank»

http://www.tagblatt.ch/index.php?...hintergrund
Zitat: Stress in der Arbeitswelt durch Konkurrenzdruck, Mobbing oder Misserfolge, Stress durch familiäre Konflikte und Alltagsärger, Lebensschicksale und Ängste führen zu Depressionen. Der Psychiater Otto Benkert sagt, was dagegen getan werden kann.

Herr Professor Benkert, lange Zeit wurde der enge Zusammenhang zwischen Stress und Depression von der Medizin als spekulativ angesehen. Was hat zu einer Änderung der bisherigen Auffassung geführt?

Otto Benkert: Eine Änderung kam dadurch zustande, dass in den letzten Jahren mehr über die Neurobiologie, die sowohl dem Stress als auch der Depression zugrunde liegt, bekannt wurde. Zum anderen belegen grosse epidemiologische Studien aus jüngster Zeit eindeutig, dass Depression und Stress – insbesondere Dauerstress – zu höheren körperlichen Krankheitsrisiken führen. Aber nicht nur die Neurobiologie und die Folgekrankheiten sind ähnlich, sondern auch die Symptomatik ist fast nicht zu unterscheiden. Deswegen habe ich auch orthografisch Stress und Depression in der Wortverbindung StressDepression zusammengeführt.

Ein neues Krankheitsbild?

Benkert: Wenn wir uns ansehen, wie häufig Stress und Depression miteinander verbunden sind, müssen wir von einer neuen Volkskrankheit sprechen. Millionen Menschen sind zurzeit schwer depressiv und leicht depressiv sind vier- bis fünfmal so viele. Aber ein «leicht depressiver» Mensch trägt ein fünfmal so grosses Risiko wie ein gesunder, schwer depressiv zu werden.

Was kann Stress-Depression auslösen?

Benkert: Die wichtigsten Stressfaktoren kommen – rein statistisch gesehen – aus der Arbeitswelt. Nach einer Meinungsumfrage fühlt sich ein Drittel der berufstätigen Menschen «gestresst». Die Depression hat in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts vor allem bei Jugendlichen leicht zugenommen. Junge Menschen, die sich einer ungewissen Zukunft in der Arbeitswelt ausgeliefert sehen, haben offensichtlich ein höheres Risiko, in die Depression abzugleiten.

Ein zweiter wichtiger Faktor liegt in den einzelnen Lebensschicksalen, den so genannten «Life-Events». Das kann der Tod eines Familienangehörigen, aber ebenso ein Orts- oder Berufswechsel sein. Darüber hinaus stellen körperliche oder psychische Krankheiten eine hohe Belastung dar, dies umso mehr, je älter ein Mensch wird.

Sehen Sie im Alter einen besonderen Stressfaktor?

Benkert: Natürlich ist der alte Mensch immer mehr Belastungen ausgesetzt. Er wird häufiger krank, und es kommen immer mehr Sorgen auf ihn zu, die er verarbeiten muss. Wir wissen, dass Einsamkeit eine grosse Belastung ist. Und wir wissen auch, dass die Entlassung eines Menschen in den Altersruhestand zu jenen «Life-Events» gehört, die sehr nachhaltig in das individuelle Leben eingreifen. Alles hängt davon ab, über wie viele Ressourcen, den inneren Schutzfaktoren, ein Mensch verfügt und in welchem Masse er in der Lage ist, etwa «Live-Events» zu verarbeiten.

Inwiefern führt Angst zu einer Stress-Depression?

Benkert: Heute wissen wir, dass Angsterkrankungen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöhen.

Wie verhält es sich mit der Zunahme nervöser Störungen?

Benkert: Nervosität nach innen in Form von Angespanntheit oder der Unmöglichkeit einmal abzuschalten oder Nervosität nach aussen, was sich etwa in gehetztem Essen oder unkoordiniertem Arbeitsverhalten ausdrückt, ist ein Symptom von Dauerstress, der schliesslich in eine Erschöpfung hineinführt. Diese Symptome der Erschöpfung gehen dann in ein Burn-out-Syndrom über; die überarbeiteten Menschen fühlen sich einfach ausgebrannt.

Hat auch zu wenig Schlaf stressschädigende Folgen?

Benkert: Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie viele Stunden Schlaf ein Mensch während der Nacht hatte, sondern ob er sich am nächsten Tag wohl fühlt. Viel wichtiger scheint mir zu sein, dass Menschen durch die Gehetztheit in ihrem Berufsleben insgesamt zu wenig Schlaf haben und sich dann nicht ausgeschlafen fühlen. Die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Sorgen werden immer grösser, und es wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, an dessen Ende die StressDepression steht.

Die Schlafstörung ist ein Symptom, das wir beim Dauerstress und auch bei der Depression sehen. Deswegen ist es auch bei der Therapie der Depression so wichtig, den Schlaf zu regulieren. Für jeden unter Schlafstörungen leidenden Menschen, ob im Dauerstress oder einer Depression, ist es von zentraler Bedeutung, dass er zu einem geordneten Schlafrhythmus geführt wird.

Führt Stress zwangsläufig zu einer Depression?

Benkert: Stress ist die Antwort auf eine Belastung. Zwischen der Auslösung des Stresses und den Reaktionen darauf erfolgt die Verarbeitung der Belastung. Und dies ist das Entscheidende. Einige Menschen zeigen selbst bei höchsten Belastungen keine Stressreaktionen – anregender Stress. Manche Menschen weisen eine hohe Stresstoleranz auf oder sind sogar stressimmun.

Wer ist «stresstolerant» oder «stressimmun»?

Benkert: Stresstolerant sind beispielsweise einige unserer Manager, die am liebsten mit zwei Telefonhörern am Computer sitzen. Allerdings kann diese Aktivität auch eine Alibifunktion haben. Man will nicht darauf eingehen, dass Stress – und vor allem Dauerstress – ein erhöhtes Depressionsrisiko und ein hohes Risiko für körperliche Krankheiten in sich birgt. Man will so weitermachen.

Es gibt auch gerade junge Menschen, die den Stress suchen. Es gibt auch einen genetischen Faktor, der einige Menschen unter Stress vor einer Depression schützt.

Gibt es weitere Folgekrankheiten der Stress-Depression?

Benkert: Neben den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören Diabetes, Osteoporose und verschiedene Schmerzsyndrome wie Nackenschmerzen, Schulterschmerzen oder Kopfschmerzen zu den körperlichen Folgeerkrankungen der Stress-Depression.

Welche Behandlungsmethoden stehen zur Verfügung?

Benkert: Leider müssen wir feststellen, dass der Zusammenhang zwischen Stress und Depression noch immer zu wenig Beachtung findet. Er wird von Wissenschaftern in der Neurobiologie sehr intensiv erforscht, auch von vielen Psychotherapeuten gesehen. Aber der Gesamtzusammenhang bleibt mehr oder weniger für viele noch im Dunkeln. Was die Depression betrifft, so besteht das Problem, dass höchstens die Hälfte der schwer depressiven Patienten von den Ärzten als solche erkannt und dass nur ein Drittel richtig behandelt wird.

Wenn die Zusammenhänge der Stress-Depression mit den körperlichen Krankheiten mehr bekannt werden, sehe ich gute Chancen für eine gezieltere Therapie sowohl der Stress-Depression als auch der Folgekrankheiten.

Zur Behandlung stehen uns zwei Möglichkeiten zu Gebote: Einmal, besonders bei Dauerstress die Verhaltenstherapie, auf deren Grundlage das «kognitive Stressmanagement» entwickelt worden ist, und zum anderen die Therapie der Depression mit Antidepressiva.

Ist eine Linderung oder sogar Heilung der Stress-Depression bei gleich bleibenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und sozialen Grundbedingungen überhaupt zu erwarten?

Benkert: Grundsätzlich ja. Wir können die gesellschaftliche Situation, in der wir leben, nicht wesentlich verändern. Durch Minderung des Dauerstresses können wir aber sehr wohl die biologischen Veränderungen im Gehirn modulieren und auch bei vielen wieder normalisieren. Entscheidend sind das Wissen um die StressDepression und der Wille, etwas zu verändern.

Im Jahr des 150. Geburtstages von Sigmund Freud stellt sich die Frage: Inwieweit kann die Psychoanalyse bei Stress-Depression eingesetzt werden?

Benkert: Die Psychoanalyse hatte viele Karrieren. In der letzten Zeit ist es ruhiger um sie geworden. Eine vor Kurzem aufgetretene Renaissance war die Beobachtung, dass frühkindliche Traumata Narben im Gehirn setzen, die auch später noch nachweisbar sind. Jetzt wird darüber spekuliert, ob Freud doch Recht hatte. Für die Stress-Depression ist die Psychoanalyse jedoch nicht geeignet.

Worin bestehen gegenwärtig die grössten Herausforderungen für die Stressforschung?

Benkert: Vorrangig handelt es sich darum, die Ursachen von Dauerstress und Depression weiter zu erforschen, also die Neurobiologie weiter aufzuklären. Der Weg ist vorgegeben. Die wichtigste Herausforderung liegt in der genetischen Forschung. Denn es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Umwelt und unserer biologischen Ausstattung. Die Fragen, um die es hier geht, beziehen sich vor allem auf die Interaktion zwischen Umwelt, also den Stressoren und der Neurobiologie. Schliesslich geht es auch um die Neuentwicklung von Antidepressiva und möglicherweise auch von Medikamenten gegen den Dauerstress.

Selbstverständlich wäre es besser, die eigentliche Ursache, also den Dauerstress selbst, zu beseitigen. Aber auch unter den günstigsten Lebensbedingungen wird es immer Menschen geben, die zusätzliche psychotherapeutische oder medikamentöse Hilfe benötigen. Und noch bessere Hilfe erhoffe ich mir von der Forschung in den nächsten Jahren.

Professor Dr. med. Otto Benkert war Direktor der Psychiatrischen Klinik der Universität Mainz. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Sein neuestes Buch: «StressDepression. Die neue Volkskrankheit und was man dagegen tun kann» (Verlag C.H. Beck, München 2005).

4 Comments:

Anonymous Wellness said...

Hi! I like what you are doing. Maybe we could exchange tips on Wellness. You can have a quick look at http://www.wellnessmaster.com so we can exchange ideas.

Sonntag, 02 Juli, 2006  
Anonymous Anonym said...

Watch subject. Bush is forever saying that democracies do not invade other countries and start wars. Well, he did just that. He invaded Iraq, started a war, and killed people. What do you think? How does that work in a democracy again? How does being more threatening make us more likeable?Isn't
the country with the most weapons the biggest threat to the rest of the world? When one country is the biggest threat to the rest of the world, isn't that likely to be the most hated country?
If ever there was ever a time in our nation's history that called for a change, this is it!
The more people that the government puts in jails, the safer we are told to think we are. The real terrorists are wherever they are, but they aren't living in a country with bars on the windows. We are.

Samstag, 17 Februar, 2007  
Anonymous Anonym said...

Stop HARD WORKING)))
Only for man useful links )))

FOR FORCE buy viagra FOR REST casino
and for your girlfriend )))) flower grower


i think its will be usefull ))))))

I found a lot of interesting information for me ))) here )))) and i start prepare to 8 march )))))

Samstag, 24 Februar, 2007  
Anonymous Anonym said...

I start to women day prepear

I start to women day prepare……
I buy flower, viagra and xanax .....))))
But I have problem. I haven't women….
Help me please.

Montag, 26 Februar, 2007  

Kommentar veröffentlichen

<< Home